„Behutsame Randbebauung“ des Tempelhofer Felds — Worum geht es wirklich?
Es geht nicht um Wohnungsbau. Es geht um die Umdeutung städtebaulicher Begriffe, um demokratische Steuerung und um Teilhabe zu schwächen und privatwirtschaftliche Landnahme zukünftig sanktionsfrei möglich zu machen – in ganz Berlin. In der VBKI-Veranstaltung am 15. September 2026 offenbarte Herr Nöfer, worum es bei seinem Vorschlag wirklich geht: Unter Federführung der CDU treibt eine privatwirtschaftliche Initiative eine Stadtumbauagenda voran, bei der
- jede Form von Teilhabe ausgeschlossen ist,
- öffentlicher Boden als Grundlage zur Privatisierung betrachtet wird,
- und Architektur und Städtebau als Disziplinen entmündigt werden.
Die CDU und Herr Nöfer sprechen dem demokratischen Wettbewerbsverfahren (initiiert vom Senat), bei dem über 150 Alternativen eingereicht wurden, die Berechtigung ab. Erzeugt wird eine Symbolpolitik/ Symbolarchitektur, die Folgendes rechtfertigen soll:
- die Abschaffung des geltenden Tempelhofer-Feld-Gesetzes,
- die Glorifizierung der preußischen Gründerzeit anstelle nachhaltiger Stadterneuerung für alle,
- das Ausspielen von Stadtrandentwicklung gegen innerstädtische Entwicklung,
- die Beschwörung einer neoliberalen „Europäischen Stadt“, die weder räumlich noch historisch irgendeine Verankerung in Berlin hat,
- eine Randbebauung, die sich durch die Aneignung des Begriffs „behutsame Stadterneuerung“ (IBA-Alt) als „behutsam“ ausgibt — dabei ins Gegenteil verkehrt: keine bewohnerorientierte Erneuerung von Bestand, sondern Neubau auf geschützter Freifläche. Einen „Rand“, an dem behutsam angesetzt werden könnte, gibt es am Tempelhofer Feld gar nicht; er wurde diskursiv erst erfunden, um sich die historische Autorität des Begriffs anzueignen,
- die Behauptung einer „seriellen Bautechnik“, die nirgends belegt wird,
- die gründerzeitliche Dichte, die baurechtlich nicht umsetzbar ist.
Es fehlen alle wesentlichen Aspekte einer seriösen Fachplanung:
- Denkmalschutzgutachten zum NS-Zwangsarbeiterlager,
- Fachgutachten zur Dekontaminierung der Böden (BTEX, PFAS, etc.),
- Ausgleich für die über 35 bestehenden Initiativen-, Freizeit-, Vereins- und Sportflächen,
- planungsrechtliche Kenngrößen wie Geschossflächenzahl (GFZ) oder Grundflächenzahl (GRZ),
- eine Kostenschätzung mit Bodenwert, Infrastruktur- und Dekontaminationskosten,
- ein realistischer Terminplan.
Bezeichnend für den Vorschlag ist, dass der Verkauf von 50 % der Bausubstanz von Anfang an eingeplant ist, um überhaupt eine Finanzierbarkeit vorzutäuschen, die auf dem Papier so nicht besteht. Damit würde wieder einmal öffentliches Wohneigentum privatisiert. Es kann daher mit diesem Vorschlag keinen „bezahlbaren Wohnungsbau“ geben.
Das Feld würde für über 10 Jahre nicht zugänglich sein. Die größte Baustelle Europas würde einmal mehr zum gesellschaftlichen und ökologischen „BER“-Desaster werden, und die Welt erneut lachend auf Berlin blicken. Am Ende geht es nicht um Wohnungsbau, sondern um die Abschaffung der Disziplinen selbst: Städtebau und Architektur sollen künftig überflüssig werden, damit Ingenieurbüros und Immobilienwirtschaft allein bestimmen, was, wo und für wen gebaut wird. Das ist der Kunstgriff: die Zermürbung demokratischer Stadtplanung.
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